Geschichten

Ehrengast

Meine Absätze klackern auf dem Asphalt, als ich in meinem kurzen Kleidchen und den hochhackigen Schuhe die dunkle Straße hinunterlaufe. Irgendwie bin das ja gar nicht so richtig ich, aber ich war mir im Vorfeld auch nicht sicher, ob mein normales Ich in dieser Situation angebracht gewesen wäre… Jeans und Turnschuhe zu einem Sexdate?

Also bin ich nun hier, mit meinen schwarzen Highheels auf dieser Dorfstraße, die viel zu steil ist, als dass es irgendwie elegant aussehen könnte, wie ich mich bewege.

Zum Glück hab ich nur noch wenige Meter…  und hurra! Um das Haus herum ist tiefer Kies gestreut, da läuft es sich ja gleich noch besser für mich! Grrmpf!

Alle Fenster und Türen des Hauses, zu dem ich kommen sollte, sind dunkel. Als ich vor der Türe stehe, sehe ich keine Klingel und einen Moment lang will ich am liebsten umdrehen und wieder gehen. Worauf hab ich mich hier nur einlassen?

Zum Glück war das Paar, das ich heute treffen will, mir schon im Vorfeld nicht komplett unbekannt. Sonst wäre ich wohl wirklich wieder gegangen. So aber zücke ich mein Handy und tippe „Ich bin da“.

Kurz darauf holt er mich ab, führt mich um das Haus herum zum Hintereingang und wir gehen hinein.

***

2 Jahre früher

„Hey Anna, wir kennen uns doch von Facebook oder?“ In meinem Postfach vom joyclub war plötzlich diese Nachricht.

Ich hatte von Anfang an auch dort Bilder eingestellt, wo man mich erkennen kann. Warum auch verheimlichen, dass ich da ein Profil habe? Ist sexuelle Aktivität und Engagement wirklich so was schlimmes? Und wer mich dort findet, hat ja schließlich auch selbst ein Profil dort, nicht wahr? 😉

Also schrieb ich zurück und es entwickelte sich ein nettes Gespräch. Sonst erstmal nichts, denn „er“ war glücklich liiert und ich hatte eigentlich noch nie wirklich Interesse an Pärchen.

1 Jahr früher.

Ca. ein Jahr nach unserem 1. Zusammentreffen im joyclub bin ich gerade mal dabei, meine ganzen Nachrichten zu sortieren und zu löschen, als mir die Nachricht und damit das Profil des Pärchens wieder ins Auge sticht.

Und ich muss einen Moment lang echt überlegen… ein Pärchen? Wer war denn das nochmal?

Ich erinnere mich schwach an unsere Kommunikation, aber so richtig mag es mir tatsächlich nicht mehr einfallen. Oh Mann, ist das peinlich! Soll ich das jetzt lieber löschen und mir diese Peinlichkeit ersparen?

Ich entscheide mich dagegen und schreibe die beiden einfach nochmal an.

Und bekomme zum Glück eine sehr nette Antwort. Plötzlich ist mein Interesse doch irgendwie geweckt.

Wie das wohl wäre? So als Dritte im Bunde? Hab ich ja noch nie erlebt!

Wir schreiben also noch eine Weile so hin und her… und irgendwann beschließen wir, uns zu Dritt zu treffen. Ja, ich sage tatsächlich fest zu. Und merke in diesem Moment schon, wie aufgeregt ich bin. OMG, wie soll das nur werden, wenn ich da echt hinfahre?

***

Wir gehen also rein und meine Nervosität steigt. Lass ich mir natürlich möglichst nicht anmerken.

Ich ziehe meine Jacke aus und endlich darf ich auch aus den hochhackigen Schuhen schlüpfen. Denn was mir direkt auffällt, als ich reinkomme ist, dass die beiden ganz leger gekleidet sind und ganz entspannt in der Küche sitzen, während eine Pizza im Ofen brutzelt.

Wir trinken also erst einmal ein Gläschen Prosecco und essen Pizza, während wir uns ein bisschen unterhalten und kennen lernen.

Dann irgendwann sagt sie, dass sie jetzt mal unter die Dusche gehen wird.

Ich merke, wie ich wieder nervöser werde. Das ist wohl der Startschuss. Wenn es noch eine Möglichkeit zum Rückzug gäbe, dann jetzt!

Aber tatsächlich will ich das gar nicht. Ich will hierbleiben.

Er fragt mich, ob wir uns drüben im anderen Raum dieser wirklich hübschen, geräumigen, erotischen Ferienwohnung auf die Couch setzen wollen.

„Klar!“ sage ich, wohl ein bisschen übertrieben locker.

Wir gehen rüber und setzen uns. Ich ans eine Ende der Couch, er an das andere. „Also Christina“ denke ich mir „so wird das nie was!“ Aber ich bin nun mal nicht der draufgängerische Vamptyp und das ist ok. Wird schon irgendwie Schritt für Schritt vorangehen hier. Ich lasse es einfach mal auf mich zukommen.

***

Wir sitzen uns also auf dem Sofa gegenüber und unterhalten uns. Und nach ca. 10 Minuten kommt sie aus der Dusche zurück. Sie ist fast nackt, trägt nur noch ein Höschen.

Sie bleibt kurz vor uns und dem Sofa stehen, schaut uns mit einem schelmischen Lächeln an und setzt sich dann auf den Platz zwischen uns.

„Wow!“ sagt er zu ihr. „Lass uns doch kurz rüber gehen, dann helfe ich Dir noch mit der hübschen Korsage!“ Die beiden stehen auf und gehen aus dem Zimmer.

„Also jetzt oder nie! Wenn die beiden wiederkommen und ich sitze hier immer noch in Vollmontur ist das doch irgendwie komisch!“ denke ich mir und stehe ebenfalls auf, um mein Kleid und die Strümpfe auszuziehen. Darunter träge ich ein dünnes Unterkleid mit Spitze und darunter ein paar sexy Dessous.

Es dauert nicht lange, dann kommen die beiden auch schon zurück. Offensichtlich erfreut über meinen Anblick lädt er uns ein, in das „BDSM-Spielzimmer“ zu gehen.

***

Obwohl ich die beiden nicht wirklich kannte, fühlte ich mich vom ersten Moment an sicher. Ich wusste außerdem, dass ich in jedem Moment hätte abbrechen können, wenn es mir doch zu viel geworden wäre.

Auch was das Thema BDSM angeht, hatten er und ich vorher gut geklärt, was jedem so gefällt und wo die Grenzen sind. Beim ersten Mal wollten wir da ohnehin nicht so weit gehen, man sollte sich ja erstmal ein wenig kennen, um  in härtere Spiele einzutauchen.

Wichtig war mir, dass ich zu jeder Zeit ein gutes Gefühl hatte und ich denke, dass man sich darauf absolut verlassen sollte. Wir Frauen haben da ja zum Teil schräge Muster im Kopf und machen viele Dinge, nur um nicht als unangenehm empfunden zu werden, obwohl unser Gefühl vielleicht schon längst laut aufschreit.

Aber damit in so einer Sache jeder auf seine Kosten kommt, muss es einfach ok sein, dass jeder ohne Begründung jederzeit nein sagen darf. Einfach aus dem eigenen Gefühl heraus.

***

Im Spielzimmer führte er mich dann zu dem großen Fesselgestell in der hinteren, rechte Ecke des Raumes. Ich stehe etwas unsicher herum, überlege, ob ich nun irgendeine Initiative ergreifen muss, doch bevor ich noch lange nachdenken kann, bindet er mir schon ein Tuch über die Augen.

Und wenige Minuten später stehe ich mit nach oben gefesselten Armen und an eine Spreizstange gefesselten Beinen da, nicht wissend, was gleich noch alles passieren wird.

Also lasse ich los. Lasse mich innerlich fallen in den Moment. Genieße die Hände auf meiner Haut, die sich nun langsam vortasten.

Zuerst sind es nur zwei, dann sind es vier Hände. Schon noch wenigen Sekunden kann ich sie nicht mehr auseinanderhalten. Ich fühle mich eingelullt in Zärtlichkeiten und spüre, wie mein Körper sie aufsaugt.

Ich zucke leicht zusammen, als eine Hand meine Brüste berührt und ein Schauer läuft mir über den Rücken. Das Kribbeln durchströmt meinen ganzen Körper, zieht sich in meine Lenden und mein Körper streckt sich dem Gefühl entgegen.

Irgendwann spüre ich, wie meine Fesseln wieder gelöst werden und ich bin nun bereit, an diesem Abend der Ehrengast zu sein.

Die Spielwiese wartet auf uns.

***

Fortsetzung folgt.

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